Illustration: Viele kleine graue und weiße Kiesel auf einem dunklen Brett; in einer Schale in der Mitte liegen fünf größere, einer davon ist orange.
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GEO und SEO: was Generative Engine Optimization anders macht – und was nicht

· 7 Min. Lesezeit

GEO steht für Generative Engine Optimization: Inhalte so aufzubereiten, dass KI-Systeme wie ChatGPT, Perplexity oder Googles Übersichten mit KI sie in ihren Antworten nennen und verlinken. Der Begriff stammt aus einer Studie von 2023 — und deren wichtigste Angabe steht nicht in der Zusammenfassung, sondern im Versuchsaufbau: Die getestete KI-Suche holte ihre Quellen zuerst aus der Google-Suche.

GEO ist keine zweite Disziplin neben SEO, sondern beginnt dort, wo SEO schon gewirkt hat. Eine Seite, die über die klassische Suche nicht gefunden wird, steht gar nicht zur Auswahl. GEO betrifft die Frage, welche der gefundenen Quellen am Ende in der Antwort vorkommt.

Illustration: Eine Holzleiter an einer dunklen Wand; alle Sprossen sind grau, nur die oberste ist orange.

Woher der Begriff kommt#

Pranjal Aggarwal und fünf Mitautoren haben im November 2023 die Arbeit „GEO: Generative Engine Optimization“ veröffentlicht, angenommen auf der Konferenz KDD 2024. Sie wollten wissen, ob Seitenbetreiber beeinflussen können, wie sichtbar ihr Text in einer KI-Antwort wird.

Der Versuch lief in zwei Schritten. Zu jeder Suchanfrage holte ein Programm die fünf besten Treffer der Google-Suche, danach schrieb GPT-3.5 Turbo aus genau diesen fünf Quellen eine Antwort. Die Forscher veränderten dann eine der fünf Quellen mit neun Methoden — Zitate einfügen, Statistiken ergänzen, Quellen angeben, flüssiger formulieren, Suchbegriffe häufen und weitere — und maßen, wie viel der Antwort danach aus dieser Quelle stammte. Der dafür gebaute Testsatz umfasst 10.000 Suchanfragen aus verschiedenen Themengebieten.

Drei Ergebnisse sind für die Praxis interessant:

  • Belege wirkten, Suchbegriffe nicht. Zitate aus glaubwürdigen Quellen, Statistiken und Quellenangaben machten eine Quelle sichtbarer, die besten Methoden um 41 Prozent gegenüber dem unveränderten Text. Das Häufen von Suchbegriffen zählte im selbst gebauten System zu den Methoden ohne Wirkung und schnitt beim Gegentest mit Perplexity 10 Prozent schlechter ab als der unveränderte Text.
  • Weiter unten gerankte Quellen gewannen am meisten. Die Methode „Quellen angeben“ steigerte die Sichtbarkeit der Quelle auf Platz 5 um 115,1 Prozent. Die Quelle auf Platz 1 verlor mit derselben Methode im Schnitt 30,3 Prozent.
  • Es ist ein Verteilungskampf. Die Antwort speist sich aus fünf Quellen. Was eine davon gewinnt, fehlt einer anderen.

Was die Studie nicht zeigt#

Die Zahl „bis zu 40 Prozent mehr Sichtbarkeit“ stammt aus der Zusammenfassung der Studie. Sie gilt unter Bedingungen, die man mitlesen muss.

Das getestete System war ein Nachbau von 2023 mit GPT-3.5 Turbo, weder ChatGPT Search noch Googles KI-Modus in ihrer heutigen Form. Beim Gegentest mit Perplexity haben die Forscher die Quelltexte als Dateien hochgeladen, weil sich dort keine Adressen vorgeben ließen — der Schritt, in dem ein System seine Quellen im Netz sucht, fiel damit weg. Und jede gemessene Verbesserung betraf eine Seite, die bereits unter den fünf besten Google-Treffern stand.

Über den Weg in diese fünf Quellen sagt die Studie nichts, weil er ihre Voraussetzung war. Ob sich die Ergebnisse auf die heutigen Systeme übertragen, lässt sich aus ihr nicht ablesen.

Wo GEO und SEO dasselbe sind#

Google beantwortet die Frage in seinem Leitfaden zu generativen KI-Funktionen direkt. Beide Begriffe, GEO und AEO, beschreiben dort Arbeit an der Sichtbarkeit in KI-Suchergebnissen, und dann: „Aus Sicht der Google Suche ist die Optimierung für die Suche mit generativer KI eine Optimierung für die Suche insgesamt und damit weiterhin SEO.“

Die Voraussetzung nennt Google ebenfalls: Eine Seite muss indexiert und für die Anzeige mit einem Snippet geeignet sein. OpenAI formuliert es für ChatGPT in der Crawler-Dokumentation von der anderen Seite: Websites, die OAI-SearchBot aussperren, werden in den Suchantworten von ChatGPT nicht gezeigt.

Das ist dasselbe Muster wie in der Studie. Erst wird gesucht, dann geantwortet. Welche Systeme dabei auf welchen Index zugreifen, steht im Beitrag In ChatGPT gefunden werden.

Illustration: Ein grauer Karteischrank mit vielen Schubladen; eine ist aufgezogen, darin steht eine orange Karteikarte.

Was tatsächlich anders ist#

Anders ist nicht das Handwerk, sondern das Ergebnis und seine Messung.

SEOGEO
Was bewertet wirdeine Seiteeine Aussage oder Passage in einer Antwort
Was man erreichteine Position in einer Trefferlisteeine Nennung oder keine
Womit man konkurriertalle Seiten zur Suchanfragedie Quellen, die das System für die Antwort abgerufen hat
Was Google in der Search Console meldetKlicks, Impressionen, PositionImpressionen

Die letzte Zeile hat praktische Folgen. Der Leistungsbericht zu generativen KI-Funktionen ist seit dem 31. August 2026 für alle Websites weltweit verfügbar. Er zählt, wie oft Links auf deine Seite in Übersichten mit KI und im KI-Modus gezeigt wurden, aufgeteilt nach Seiten, Ländern, Geräten und Datum. Eine Position gibt es darin nicht, weil es in einer Antwort keine gibt.

Die Studie hat genau deshalb eigene Messgrößen erfunden: wie viele Wörter der Antwort aus einer Quelle stammen und wie weit oben sie stehen. Das ist die eigentliche Neuerung des Begriffs — eine Antwort auf die Frage, was „sichtbar“ heißt, wenn es keine Liste mehr gibt.

Was nicht hilft#

Suchbegriffe häufen. Das war in der Studie die Methode, die dem klassischen SEO am nächsten kam, und sie wirkte nicht oder verschlechterte das Ergebnis.

Eine llms.txt oder andere Spezialdateien anlegen, um bei Google aufzutauchen. Google schreibt, dass keine neuen maschinenlesbaren Dateien, KI-Textdateien oder spezielles Markup nötig sind, „da die Google Suche selbst diese nicht verwendet“. Was die Datei ist und wer sie liest, steht im Beitrag zu llms.txt.

Strukturierte Daten als KI-Hebel einbauen. Laut Google sind sie für die Suche mit generativer KI nicht erforderlich, und es gibt kein spezielles schema.org-Markup dafür. Für die klassischen Suchergebnisse bleiben sie sinnvoll.

Texte in kleine Häppchen zerlegen. Google hält auch das für unnötig: Die Systeme erkennen mehrere Themen auf einer Seite und zeigen den passenden Teil.

Ein GEO-Paket kaufen, wenn die Seiten nicht im Index stehen. Google verweist Betreiber, die GEO- oder AEO-Beratung einkaufen wollen, ausdrücklich auf seine Hinweise zur Bewertung von SEO-Ratschlägen von Drittanbietern.

Was zu tun ist#

1. Prüfen, ob die Seite überhaupt im Rennen ist. Indexiert, ohne noindex, Snippets erlaubt. Wie das geht, steht in Ist meine Seite indexiert?; die technischen Sperren findet das SEO-Audit ohne Anmeldung.

2. Die Abruf-Crawler zulassen. OAI-SearchBot und die Crawler der anderen Anbieter dürfen weder in der robots.txt noch in einer Firewall hängen bleiben. Die Unterscheidung zwischen Trainings- und Abruf-Crawlern steht im Beitrag zu KI-Crawlern in der robots.txt.

3. Aussagen belegen. Zahlen mit Herkunft, Zitate mit Namen, Verweise auf die Originalquelle. Zitate und Statistiken waren in der Studie die beiden Methoden mit der größten Wirkung, und es sind dieselben Mittel, die einen Text für Menschen glaubwürdig machen.

4. Die richtige Zahl beobachten. Im Leistungsbericht zu generativen KI-Funktionen die Impressionen je Seite verfolgen, nicht eine Position, die niemand liefern kann.

Häufige Fragen#

Was ist der Unterschied zwischen GEO und AEO? In der Sache keiner, den man festmachen könnte. „Answer Engine Optimization“ und „Generative Engine Optimization“ beschreiben laut Google beide die Arbeit an der Sichtbarkeit in KI-Suchergebnissen.

Ist GEO dasselbe wie lokale Suchmaschinenoptimierung? Nein, das ist eine Verwechslung, die „geo“ nahelegt. Damit ein Betrieb in Google Maps gefunden wird, braucht er ein bestätigtes Unternehmensprofil — wie man es anlegt, steht in Google-Unternehmensprofil erstellen.

Kann ich GEO ohne SEO betreiben? Nicht bei Systemen, die vor der Antwort suchen. Die Studie hat nur Seiten verbessert, die schon unter den fünf besten Google-Treffern standen, und Google selbst zählt die Arbeit zu SEO.

Lohnt sich eine eigene GEO-Strategie für kleine Websites? Die Studie liefert ein Argument dafür, aber nur unter einer Bedingung: Wer unter den ersten fünf Treffern stand, aber nicht ganz oben, profitierte dort am stärksten von belegten Aussagen. Wer noch gar nicht rankt, hat zuerst eine SEO-Aufgabe.

Der ehrliche Schluss#

GEO ist ein nützlicher Name für eine echte Frage: Wie sichtbar ist ein Text, wenn eine Maschine aus mehreren Quellen eine Antwort baut? Die Studie, die den Namen geprägt hat, beantwortet sie für Seiten, die bereits gut ranken, an einem System von 2023.

Für eine Website heißt das heute: indexierbar sein, die Abruf-Crawler durchlassen, Aussagen belegen und die Impressionen im KI-Bericht beobachten. Die ersten beiden Punkte sind SEO. Der dritte war es schon immer, nur hat ihn jetzt jemand gemessen.

Quellen#

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