Marketing

Online-Katalog: warum Google ihn nicht sieht

· 4 Min. Lesezeit

Ein Katalog ist die aufwendigste Sache, die kleine Händler im Jahr produzieren. Fotos, Layout, Korrekturschleifen, oft Wochen. Danach liegt er als Blätterkatalog auf der Website — und taucht in keiner Suche auf.

Das liegt fast nie am Katalog. Es liegt daran, wofür ein Katalog gebaut ist und wofür eine Suchmaschine gebaut ist. Die beiden Zwecke schließen sich nicht aus, aber sie fallen auch nicht von selbst zusammen.

Vierzig Seiten unter einer Adresse#

Der Kern des Problems in einem Satz: ein Blätterkatalog hat vierzig Seiten und eine einzige URL.

Blättere im Katalog auf Seite zwölf und sieh in die Adresszeile. Ändert sie sich nicht, dann gibt es für Google auch nichts, was sich ändern könnte. Es gibt eine Adresse, also gibt es ein Suchergebnis — nicht vierzig.

Und dieses eine Suchergebnis ist meistens leer. Denn:

  • Der Inhalt entsteht erst im Browser. Blätterkataloge zeichnen ihre Seiten per JavaScript, oft in ein Canvas-Element. Was dort steht, steht nicht im HTML. Wer wissen will, was Google stattdessen sieht, findet das Verfahren unter Wie sieht Google meine Seite? — und die allgemeinere Fassung des Problems unter JavaScript-SEO und Security.
  • Ein PDF ist kaum besser. Google nimmt PDFs durchaus auf, aber ohne innere Struktur: kein Produktname als Überschrift, keine eigene Adresse je Artikel, ein Titel aus den Dateieigenschaften, den seit 2019 niemand gepflegt hat.
  • Der Katalog verlinkt nach innen nicht. Ein Sortiment ohne interne Verweise ist für eine Suchmaschine ein einzelner Punkt, kein Netz.

Die Prüfung dauert drei Minuten#

Bevor irgendetwas geändert wird, lohnt der Blick auf den Ist-Zustand. Drei Handgriffe:

  1. site:deinedomain.de bei Google eingeben. Steht der Katalog überhaupt drin? Wie viele Adressen daraus? Die ausführliche Fassung dieser Prüfung steht unter Ist meine Seite indexiert?
  2. Nach einem Produktnamen aus Seite zwölf suchen, in Anführungszeichen, zusammen mit site:deinedomain.de. Kein Treffer heißt: der Text ist für Google nicht vorhanden.
  3. Im Katalog blättern und die Adresszeile beobachten. Bleibt sie stehen, gibt es nichts zu indexieren außer der Hülle.

Fällt eine dieser drei Prüfungen durch, liegt es nicht am Text und nicht an den Fotos. Weitere Ursachen für denselben Befund stehen unter Warum Google deine Seiten nicht indexiert.

Der Katalog ist die Auslage, nicht das Regal#

Die Lösung ist nicht, den Katalog abzuschaffen. Er tut etwas, was HTML-Seiten schlecht können: er hält Aufmerksamkeit, er zeigt ein Sortiment als Zusammenhang, und er lässt sich verschicken.

Er ist nur kein Index. Wer über den Katalog gefunden werden will, braucht daneben das, wonach tatsächlich gesucht wird:

  • Eine HTML-Seite je Kategorie, mit den Begriffen, die Leute eingeben — nicht mit den Sortimentsnamen aus dem Einkauf.
  • Eine eigene Adresse je Produkt, wenn das Produkt einzeln gesucht wird. Ein Zelt schon. Eine Schraube nicht.
  • Auszeichnung der Produktdaten, damit Preis und Verfügbarkeit im Suchergebnis erscheinen können. Welches Werkzeug was davon prüft, steht unter Schema-Markup testen.

Der Katalog verlinkt dann auf diese Seiten, und die Seiten verlinken auf den Katalog. Das ist der ganze Trick: der Katalog verdient die Aufmerksamkeit, die HTML-Seiten verdienen die Platzierung.

Was der eingebettete Katalog nebenbei überträgt#

Der Punkt, der bei dieser Rechnung fast immer fehlt: Ein Blätterkatalog wird meist von einem fremden Server eingebunden. Damit gilt für ihn dasselbe wie für ein eingebettetes Video oder eine Karte — er baut eine Verbindung zu einem Dritten auf, sobald die Seite lädt, überträgt dabei die IP-Adresse und legt oft etwas im Endgerät ab.

Das ist kein Grund, darauf zu verzichten. Es ist ein Grund, es zu wissen:

  • Lädt der Katalog vor einer Einwilligung, greift § 25 TDDDG. Was das genau verlangt und wann nicht, steht unter Cookie-Banner: wann er Pflicht ist.
  • Was einzelne eingebundene Dienste übertragen, steht Dienst für Dienst in unserer Übersicht zur DSGVO-Serie.
  • Ob dein Katalog vor der Zustimmung lädt, ist messbar: Der Datenschutz-Check lädt die Seite wie ein Browser und protokolliert jede Verbindung, die dabei entsteht.

Der saubere Weg ist derselbe wie beim Video: erst auf Klick laden, mit einer Vorschau davor.

Und was nach dem Katalog kommt#

Alles bisher Genannte betrifft die Frage, wie jemand den Katalog überhaupt findet. Die andere Hälfte — was passiert, wenn er drin geblättert hat — ist nicht unser Fach, und sie wird noch häufiger übersehen.

Dazu gibt es einen Text, der genau davon handelt: The Modern Retail Marketing Stack von ZipFlipbook. Die These dort ist, dass der Katalog als Ziellinie behandelt wird, obwohl er der Startschuss ist — wer ihn durchgeblättert hat, hinterlässt ein Signal, und auf das reagiert in den meisten kleinen Betrieben niemand.

Das passt zu dem, was hier steht, von der anderen Seite: der Katalog erzeugt Aufmerksamkeit, die vorher niemand hatte und die hinterher niemand einsammelt. Vorne fehlt die Auffindbarkeit, hinten die Nachverfolgung. Dazwischen liegen die drei Wochen Fotoarbeit.

Der ehrliche Schluss#

Wir haben keinen Katalog-Anbieter mit einem anderen verglichen und keine Blätterkataloge über Monate nebeneinander betrieben. Was hier steht, ist die technische Seite: warum eine Adresse für vierzig Seiten nicht reicht, und wie man in drei Minuten nachsieht, ob es den eigenen Katalog betrifft.

Und: die Prüfung schlägt die Einschätzung. Ob dein Katalog indexiert ist, ob sein Text im HTML steht, ob er vor der Einwilligung lädt — das sind alles Fragen, die man nicht abwägen muss. Man sieht nach.