Keyword-Dichte: die Zahl, die zwei völlig verschiedene Texte gleich aussehen lässt
Die Keyword-Dichte ist eine der wenigen SEO-Kennzahlen, die sich exakt ausrechnen lassen. Genau das ist ihr Problem: Sie ist präzise und trotzdem nicht aussagekräftig.
`` Dichte = Vorkommen des Begriffs ÷ Gesamtzahl der Wörter × 100 ``
Warum die Zahl in die Irre führt#
Rechne zwei Texte durch:
- Ein Text mit 300 Wörtern, in dem der Begriff dreimal steht: 3 ÷ 300 = 1,0 %
- Ein Text mit 1.500 Wörtern, in dem er fünfzehnmal steht: 15 ÷ 1500 = 1,0 %
Dieselbe Dichte. Der eine Text nennt den Begriff dreimal, der andere fünfzehnmal — das sind zwei völlig verschiedene Leseerfahrungen. Die Kennzahl kann sie nicht unterscheiden, weil sie beide Größen gegeneinander kürzt.
Umgekehrt gilt dasselbe: Wer einen 800-Wörter-Text auf 1.200 Wörter aufbläst, ohne den Begriff häufiger zu nennen, senkt die Dichte um ein Drittel — ohne dass sich am Inhalt etwas geändert hätte, das eine Suchmaschine bemerken würde.
Eine Kennzahl, die man durch Weiterschreiben verändert, misst nicht den Inhalt.
Woher der Wert kommt#
Die Keyword-Dichte stammt aus einer Zeit, in der Suchmaschinen Texte im Wesentlichen als Wortlisten behandelt haben. Wenn das Vorkommen eines Begriffs der wichtigste Hinweis auf das Thema ist, dann ist seine Häufigkeit tatsächlich eine sinnvolle Größe.
Diese Zeit ist vorbei, und zwar aus einem Grund, den man selbst nachprüfen kann: Suche nach einem Begriff und sieh dir die Ergebnisse an. Auf den vorderen Plätzen stehen regelmäßig Seiten, die den exakten Begriff seltener nennen als Seiten dahinter — dafür aber die zugehörigen Fragen beantworten.
Was die Zahl trotzdem taugt#
Als Warnsignal nach oben, nicht als Ziel nach unten. Wenn ein Text auf 4 oder 5 Prozent kommt, ist das kein Rankingproblem, sondern ein Lesbarkeitsproblem: So schreibt niemand freiwillig. Die Dichte ist dann das Symptom, nicht die Ursache.
Der Fehler beginnt eine Ebene früher — beim Schreiben auf eine Zielzahl. Texte, die so entstehen, erkennt man an drei Dingen:
- Der Begriff steht in Sätzen, in denen ein Pronomen natürlicher wäre
- Zwischenüberschriften wiederholen dieselbe Wortkombination in leichten Abwandlungen
- Das Thema wird breiter behauptet, als der Text es abdeckt
Was stattdessen zählt#
Deckt der Text ab, was jemand nach dieser Suche wissen will? Diese Frage lässt sich nicht auf eine Prozentzahl reduzieren, aber sie lässt sich prüfen — indem man die Suchergebnisse liest und schaut, welche Teilfragen dort beantwortet werden und im eigenen Text fehlen.
Dabei ist auch die naheliegende Gegenmaßnahme keine: Denselben Begriff auf mehrere Seiten zu verteilen, löst nichts — es erzeugt Keyword-Kannibalisierung, also zwei eigene Seiten, die um dieselbe Suche konkurrieren. Und wer den Text nur umformuliert, statt ihn zu ergänzen, landet bei doppeltem Content.
Die Frage, die man sich stattdessen stellt#
Nicht „wie oft kommt der Begriff vor", sondern: Würde ein Mensch, der die Frage hat, den Text zu Ende lesen?
Das ist unbequemer, weil es sich nicht in einer Zahl ausdrücken lässt. Es ist aber die Frage, an der sich in der Praxis entscheidet, ob ein Text funktioniert — und sie ist der Grund, warum KI-Textgeneratoren beim Rohtext helfen können, aber nicht bei der Entscheidung, was hineingehört.
Häufige Fragen#
Gibt es einen optimalen Wert für die Keyword-Dichte?#
Nein. Es gibt keinen Zielwert, den man anstreben sollte — und jede genannte Spanne stammt aus einer Zeit, in der die Kennzahl mehr bedeutete als heute. Was es gibt, ist eine Obergrenze aus Lesbarkeitsgründen: Wenn der Text sich beim Lautlesen falsch anfühlt, ist der Begriff zu oft drin.
Sollte das Keyword in die Überschrift?#
In die Hauptüberschrift ja, wenn es die Frage des Lesers trifft — das ist keine Dichtefrage, sondern eine der Verständlichkeit. In jede Zwischenüberschrift nein; dort gehört hin, was der Abschnitt tatsächlich behandelt.
Wie messe ich die Dichte überhaupt?#
Wortzahl des Textes nehmen, Vorkommen des Begriffs zählen, teilen. Dafür braucht es kein Werkzeug. Nützlicher als die Zahl ist ohnehin, was man beim Zählen nebenbei sieht: an welchen Stellen der Begriff steht, weil er dorthin gehört — und an welchen, weil er dorthin gesetzt wurde.
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