Doppelter Content prüfen: wo er wirklich entsteht
Es gibt keine „Duplicate-Content-Strafe". Das ist die hartnäckigste Halbwahrheit der Branche. Google wählt bei mehreren gleichen Inhalten einen aus und zeigt die übrigen nicht — das ist eine Auswahl, keine Bestrafung.
Der Schaden ist trotzdem real, nur anders: Die Signale verteilen sich auf mehrere Adressen, und Google wählt möglicherweise eine andere als die, die du meinst.
Wo er wirklich entsteht#
Fast nie durch abgeschriebene Texte. Fast immer durch dieselbe Seite unter mehreren Adressen:
| Fall | Beispiel |
|---|---|
| www und ohne | example.de und www.example.de |
| http und https | beide erreichbar, keine Weiterleitung |
| Schrägstrich am Ende | /seite und /seite/ |
| Parameter | ?sort=preis, ?utm_source=… |
| Groß- und Kleinschreibung | /Seite und /seite |
| Startseite doppelt | / und /index.php |
| Druckansicht | /seite?print=1 |
Dazu die hausgemachten Fälle: Filterkombinationen in Shops, Paginierung mit gleichem Text auf jeder Seite, Kategorien und Schlagwörter, die dieselbe Beitragsliste zeigen — und der Klassiker nach einem Umzug: Die alte Seite läuft noch, und Google entscheidet sich für die mit der längeren Geschichte.
Prüfung 1: die Adressvarianten#
Fünf Aufrufe, und der Verdacht ist erledigt oder bestätigt. Jede dieser Adressen muss auf eine Fassung weiterleiten:
http://example.de http://www.example.de https://example.de https://www.example.de/index.html https://example.de/beliebige-seite
Antwortet mehr als eine mit 200 statt einer Weiterleitung, ist der Fall klar.
Prüfung 2: ganze Sätze suchen#
Einen charakteristischen Satz aus dem Text in Anführungszeichen suchen — einmal mit site: auf die eigene Domain beschränkt, einmal ohne.
Mit site: zeigt sich, ob der Satz mehrfach auf der eigenen Seite steht. Ohne zeigt sich, ob ihn jemand übernommen hat.
Für die eigene Domain lohnt außerdem der Blick auf die Titel: Zwei Seiten mit identischem Titel sind fast immer zwei Seiten mit identischem Inhalt.
Prüfung 3: der Canonical#
Im Quelltext (Strg+U) nach canonical suchen. Er sagt Google, welche Adresse als Original gilt.
Drei Fehler kommen dabei immer wieder vor:
- Er fehlt. Dann entscheidet Google allein.
- Er zeigt überall auf die Startseite. Ein häufiger Konfigurationsfehler — die Unterseiten erklären sich damit selbst für überflüssig.
- Er widerspricht der Weiterleitung. Die Seite leitet auf A weiter, der Canonical nennt B.
Was der Canonical leistet und was nicht, steht ausführlich unter Der Canonical-Tag im HTML.
Was zu tun ist#
Eine Fassung festlegen — mit oder ohne www, mit oder ohne Schrägstrich — und alles andere per 301 dorthin weiterleiten. Nicht per Canonical: Eine Weiterleitung ist eine Anweisung, ein Canonical ein Vorschlag.
Parameter-Adressen bekommen einen Canonical auf die parameterfreie Fassung.
Text, den es zweimal geben muss — Produktbeschreibungen des Herstellers etwa — braucht etwas Eigenes daneben. Eine eigene Einschätzung, eigene Messwerte, eigene Bilder.
Wenn jemand deinen Text übernommen hat#
Dann ist die erste Frage, wer zuerst da war — und die beantwortet in der Regel das Datum der Indexierung, nicht das Veröffentlichungsdatum im Text. Meist gewinnt das Original ohnehin, weil die Domain älter und stärker ist.
Bleibt es dabei, dass die Kopie vorne steht, gibt es zwei Wege: den Betreiber anschreiben, oder eine Beschwerde wegen Urheberrechtsverletzung einreichen. Wer dahintersteckt, findet man über Wem gehört eine Website? und Domainbesitzer herausfinden.