Wie viele Besucher hat eine Website? Was Schätzungen taugen
Von außen ist die Besucherzahl einer fremden Website nicht messbar. Sie steht in deren Server-Protokollen und in deren Analysewerkzeug, und beides sieht niemand sonst. Alles, was Dienste dazu anzeigen, ist eine Hochrechnung.
Das heißt nicht, dass sie wertlos ist. Es heißt, dass man wissen muss, wie sie zustande kommt.
Wie geschätzt wird#
Der übliche Weg: Ein Anbieter kennt die Suchbegriffe, für die eine Domain rankt, samt Position. Dazu nimmt er ein Modell, wie viele Klicks eine Position ungefähr bekommt, multipliziert mit dem Suchvolumen — und summiert.
Daraus folgen die Schwächen unmittelbar:
Nur Suchmaschinen-Traffic wird erfasst. Ein Auftritt, der über einen Newsletter, einen starken Instagram-Kanal oder Direkteingaben lebt, erscheint in der Schätzung als klein, obwohl er es nicht ist.
Die Klickmodelle sind Durchschnitte. Bei Marken-Suchen bekommt Platz 1 fast alles, bei Vergleichssuchen verteilt es sich. Ein einziger Wert für „Position 3" kann leicht um den Faktor drei danebenliegen.
Der Bestand ist unvollständig. Kein Anbieter kennt alle Suchbegriffe. Was zu selten gesucht wird, fehlt — und gerade bei kleinen, spezialisierten Seiten macht die Summe vieler seltener Suchen den größten Teil aus.
Deshalb unterschätzen Schätzungen kleine Seiten fast immer, und zwar deutlich. Bei großen Seiten mit vielen Kopfbegriffen stimmen sie besser.
Wofür die Zahlen taugen#
Für Vergleiche, nicht für Beträge. Ob Anbieter A ungefähr fünfmal so sichtbar ist wie B, ist eine belastbare Aussage, wenn beide mit derselben Methode gemessen werden. Ob A genau 41.000 Besuche im Monat hat, ist es nicht.
Für Verläufe. Ein Einbruch um die Hälfte über drei Monate ist ein echtes Signal — der systematische Fehler ist in beiden Messungen derselbe und kürzt sich heraus.
Für die Themenverteilung. Deutlich verlässlicher als die Besuchszahl ist die Liste der Suchbegriffe, für die eine Domain rankt. Sie zeigt, worauf ein Wettbewerber wirklich setzt — und wo er nichts hat.
Die Frage dahinter ist meist eine andere#
Wer nach Besucherzahlen fragt, will fast immer eines von drei Dingen wissen:
„Lohnt sich eine Zusammenarbeit?" Dann ist nicht die Gesamtzahl interessant, sondern ob die Seite für Begriffe rankt, die zu dir passen. Zehntausend Besucher zu einem fremden Thema sind wertlos.
„Bin ich besser oder schlechter?" Dann vergleiche Sichtbarkeit statt Besuche, und zwar über die Zeit.
„Ist das eine echte Seite?" Dann ist Traffic der Umweg. Domainalter, Impressum und Registereintrag sind schneller und härter — siehe Wem gehört eine Website? und Wann wurde eine Domain registriert?
Für die eigene Seite gibt es keine Schätzung#
Da gibt es Messung. Search Console für die Suche, ein Analysewerkzeug für den Rest — und beide zählen verschieden, weil sie Verschiedenes zählen. Die Search Console kennt Klicks aus der Google-Suche, das Analysewerkzeug alle Aufrufe, sofern der Besucher das Skript lädt.
Dass beide Zahlen auseinandergehen, ist kein Fehler, sondern der Normalfall. Wer sie gleichsetzt, sucht einen Fehler, den es nicht gibt.
Was man dagegen prüfen sollte: ob die Messung überhaupt greift. Ein Analysewerkzeug, das erst nach der Einwilligung lädt, zählt einen erheblichen Teil der Besucher nie mit — was eine Seite vor der Einwilligung lädt, zeigt der Datenschutz-Check.