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Die H1-Überschrift: Struktursignal, kein Ranking-Hebel

· 3 Min. Lesezeit

Die H1 ist die meistdiskutierte Zeile im HTML und die am häufigsten überschätzte. Sie ist kein Hebel, an dem sich ein Ranking dreht — sie ist die Zeile, an der eine Maschine erkennt, worum es auf der Seite geht, bevor sie den Fließtext liest.

Das ist weniger spektakulär und praktisch nützlicher.

Was Überschriften wirklich sind#

<h1> bis <h6> bilden eine Gliederung, kein Größensystem. Die Zahl gibt die Ebene an, nicht die Schriftgröße:

h1 Netzteile für Gaming-PCs h2 Wie viel Watt braucht welcher Rechner h3 Mit einer Mittelklasse-Grafikkarte h3 Mit einer Oberklasse-Grafikkarte h2 Woran man ein gutes Netzteil erkennt

Wer diese Struktur laut vorliest, hat das Inhaltsverzeichnis der Seite. Genau dafür ist sie da — für Suchmaschinen und für Screenreader, die Nutzern das Springen zwischen Abschnitten erlauben.

Die Größe kommt aus dem CSS. Eine H2 darf kleiner aussehen als ein Absatz daneben; das ändert an ihrer Ebene nichts. Umgekehrt macht eine große Schrift aus einem <div> keine Überschrift.

Die vier Fehler#

1. Überschrift nach Aussehen gewählt. Der häufigste. Jemand braucht eine kleinere Zeile und nimmt <h4>, weil die im Theme kleiner ist — mitten in einem Abschnitt, der auf Ebene 2 liegt. Die Gliederung springt dann von 2 auf 4, und die Seite behauptet eine Struktur, die es nicht gibt.

2. Mehrere H1 ohne Grund. In HTML5 ist mehr als eine H1 nicht verboten, und Google kommt damit zurecht. Trotzdem ist eine einzige die bessere Wahl: Sie zwingt zu der Entscheidung, worum es auf dieser Seite geht. Wo drei H1 stehen, ist die Antwort meist „das wissen wir selbst nicht genau".

3. H1 gleich Seitentitel gleich Meta-Title. Dreimal derselbe Satz ist eine verschenkte Gelegenheit. Der <title> steht im Suchergebnis und muss dort funktionieren — kurz, mit dem Suchbegriff vorn. Die H1 steht auf der Seite und darf ausführlicher sein. Beide dürfen sich ähneln, aber identisch müssen sie nicht sein.

4. Die H1 im Logo. Manche Themes packen den Seitennamen in eine H1 im Kopfbereich. Dann trägt jede Unterseite dieselbe H1 — den Firmennamen — und die eigentliche Seitenüberschrift landet eine Ebene tiefer. Das ist ein Themefehler, kein Inhaltsfehler, und er fällt selten auf.

Was in die H1 gehört#

Der Satz, den jemand erwarten würde, der die Seite über eine Suche findet. Nicht der Firmenname, nicht ein Slogan, nicht „Willkommen".

Ein Schlüsselwort darin ist sinnvoll — aber aus dem gleichen Grund, aus dem es auch im Text steht: weil die Seite davon handelt. Eine H1, die für die Suchmaschine geschrieben wurde und nicht für den Leser, erkennt man an genau diesem Klang.

Zur Länge gibt es keine Regel, die man ernst nehmen müsste. Der <title> wird im Suchergebnis nach etwa 60 Zeichen abgeschnitten; die H1 wird nicht abgeschnitten, sondern gelesen. Sie darf so lang sein, wie der Gedanke braucht.

Wie man es prüft#

Die Gliederung einer Seite kann man sich im Browser ansehen, ohne Werkzeug: Entwicklerkonsole öffnen und

document.querySelectorAll('h1,h2,h3,h4,h5,h6')

ausgeben lassen — oder in der Konsole

$$('h1,h2,h3,h4,h5,h6').map(e => e.tagName + ' ' + e.innerText.slice(0,60))

Was dabei herauskommt, sollte sich wie ein Inhaltsverzeichnis lesen. Tut es das nicht, liegt es fast immer an Fehler 1.

Für die ganze Seite auf einmal — mehrere H1, übersprungene Ebenen, leere Überschriften — geht auch unsere Prüfung ohne Konto. Der Zusammenhang zur übrigen Onpage-Arbeit steht in den On-Page-Grundlagen.